Liebe Leserinnen und Leser,
Klimawandel fördert Pilzwachstum – neulich ist doch tatsächlich erstmals ein Baumpilz auf einem Menschen gediehen. So wurde Wirklichkeit, was William Hope-Hodgson 1967 in seiner Gruselgeschichte „Der Pilzwald" schwarzmalte und was neulich erst in der Videospielserie „The Last of Us" Menschenmassen befiel. Klimawandeldystopien haben Zugkraft, das zeigen auch Serien wie „Extrapolations" (Apple TV+) oder „Snowpiercer" (Netflix). Warum Klimaforschende sowie Psychologinnen und Psychologen solche Serien nicht sonderlich gutheißen, verraten wir in unserer Streamingstory.
Besser also die gute alte Planeten-Sci-Fi? Auch daran lässt sich trefflich herummäkeln. Alles muckelig am Schlussbild der letzten Staffel des „Star Wars"-Spin-offs „The Mandalorian"? Mitnichten – denn während Held Din Djarin in Alböi-Manier auf der Bank vor seiner Hütte entspannt, probiert Baby-Yoda am Zierteich Jedi-Hokuspokus an einem Frosch aus. Tierquälerei als Witz? Kann Baby-Yoda noch Vorbild für unsere Kinder sein?
Wer Science-Fiction liebt, aber bereits mit allen „Star Trek"-Serien (bei Paramount+) und „Star Wars"-Titeln (Disney+) durch ist, der findet bei Apple TV+ garantiert sein Glück: etwa mit dem Großepos „Foundation", der Alternative-Earth-Serie „For All Mankind", der Endzeitgeschichte „Silo", mit „Infiltration", der entschleunigtsten Alieninvasion aller Zeiten (zweite Staffel in diesem Monat) oder eben der vorzüglichen Klimakrisendystopie „Interpolations".
Cli-Fi kann ja auch tröstlich sein. Sogar in Kombination mit dem anderen derzeitigen Zukunftsschreckgespenst KI. Man denke nur an das Roboterchen Dewey, das am Ende von „Lautlos im Weltraum" (1971) die letzten Pflanzen der Erde gießt. Hach!
Und die Forscherinnen und Forscher? Sind uns zu forsch.
Frohes Streamen wünscht Ihnen auch im August Ihr Stream-Team Lena Obschinsky, Matthias Schwarzer, Matthias Halbig und Imre Grimm
Der Streamingcountdown für den August
Worauf wir uns freuen
1. „Reinventing Elvis: The 68 Comeback" – Als der King noch einmal den Thron bestieg
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/JBDY3QYTARARZKWVDTYSFTZFNA.jpg) Endlich wieder King: Nach Jahren in immer faderen Hollywood-Schmonzetten kehrte Elvis Presley 1968 mit einem aufsehenerregenden TV-Special zurück. © Quelle: picture alliance / Everett Colle |
Zu sehen bei: Paramount+, ab 16. August
Genre: Doku
Länge: 96 Minuten
Besetzung: mit Elvis Presley
Das Stream-Team meint: Die Geschichte einer Rock-'n'-Roll-Auferstehung: Das Fernsehen wollte weiterhin den braven, Schlager trällernden Schwiegersohn-Elvis haben. Doch der zog für das TV-Special von 1968 heimlich die Lederjacke an und machte wieder „shake, rattle and roll" mit den Hüften.
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2. „Bad Behaviour" – Vom Wunsch, dazuzugehören, koste es, was es wolle
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/QKFPSI7LF5FNBIQCUH3UYAUDLA.jpg) Von wegen schöne Natur: Jo (Jana McKinnon) und Alice (Yerin Ha) kommen in „Bad Behaviour" in ein Mädcheninternat mitten in der australischen Wildnis. Hier herrscht, so stellen sie bald fest, das Recht des Stärkeren. © Quelle: Wow/Sky |
Zu sehen bei: Wow, ab 11. August
Genre: Drama
Länge: vier Episoden
Besetzung: mit Jana McKinnon, Markella Kavenagh, Yerin Ha, Erana James, Melissa Kahraman, Tuuli Narkle, Mantshologane Maile, Daya Czepanski, Diana Glenn, Dan Spielman
Das Stream-Team meint: Wo das Leben im Internat sich wie eine Internierung anfühlte: Als Erwachsene fallen die Erinnerungen an das Jahr in der australischen Wüste bei Alice und Jo erschreckend gegenläufig aus.
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3. „War Sailor" – Die Liebe lässt einen in Zeiten des Krieges nicht untergehen
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/M42J4DSAARBBTEBWKUF6XUESDM.jpg) Kampf ums Überleben: Das norwegische Handelsschiff, auf dem Alfred (Kristoffer Jonner) arbeitet, wird vom Kriegsausbruch überrascht. Deutsche U-Boote greifen an. © Quelle: Netflix |
Zu sehen bei: Netflix, ab 1. August
Genre: Historienserie
Länge: drei Episoden
Besetzung: mit Kristoffer Joner, Ine Marie Wilmann, Pål Sverre Hagen, Henrikke Lund Olsen, Leon Tobias Slettbakk, Alexandra Gjerpen, Arthur Hakalathi
Das Stream-Team meint: Ein norwegischer Seemann ohne Waffen und Ausbildung muss nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs den Kopf über Wasser halten. Der norwegische Film wurde jetzt zur Miniserie verlängert.
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4. „Invasion", zweite Staffel – So langsam werden auch die langsamsten Aliens ungemütlich
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/GYHQNSD2INAQPBGM7I5HOZD54E.jpg) Wer manipuliert wen? Die Jasa-Mitarbeiterin Mitsuki (Shiori Kutsuna) bei der Kontaktaufnahme mit einer amorphen Lebensform an Bord des abgestürzten außerirdischen Mutterschiffes. © Quelle: Apple TV+ |
Zu sehen bei: Apple TV+, ab 23. August
Genre: Science-Fiction
Länge: zehn Episoden
Besetzung: mit Golshifteh Farahani, Shamier Anderson, Shioli Kutsuna, India Brown, Paddy Holland, Azhy Robertson, Billy Barratt
Das Stream-Team meint: Es gab eben doch nicht nur ein einziges Raumschiff der Fremden, und jetzt muss der Menschheitsuntergang unbedingt verhindert werden. Entschleunigter und melancholischer war bislang kaum eine Aliensaga.
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5. „Wolf" – Die letzte Hoffnung hat vier Beine
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/Q2OQKCRJ6NBCHBIGV73EURB5GE.jpg) Könnte eine Schlüsselrolle spielen: Im Halsband des Hündchens Bear verbirgt sich ein SOS-Schreiben. Die Herrchen und Frauchen von Bear sind Opfer einer „Home Ivasion" geworden. © Quelle: Simon Ridgway |
Zu sehen bei: Magenta TV, ab 18. August
Genre: Thriller
Länge: sechs Episoden
Besetzung: mit Ukweli Roach, Iwan Rheon, Sacha Dhawan, Sian Reese-Williams, Owen Teale, Juliet Stevenson, Annes Elwy
Das Stream-Team meint: Terror im eigenen Haus – das war schon 1955 zu Humphrey Bogarts Zeiten (in „An einem Tag wie jeder andere") ein besonderer Thrill. In dieser „home invasion" nach einem Roman von Mo Hayder mischen sich Nervenkitzel und Schwarzer Humor – und zwei „Game of Thrones"-Stars mischen auch mit.
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6. „One Piece" – mit Segeln, Säbeln und Seeungeheuern
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/ST6DIXKKZNH2PIHMYPBBN6OSMQ.jpg) Her mit den Abenteuern: Nami (Emily Rudd) alias „die diebische Katze" segelt in der Fantasyserie „One Piece" mit Ruffys Crew zur unberechenbaren Grandline, wo es gefährliche Inseln und mächtige Piraten gibt. © Quelle: CASEY CRAFFORD/NETFLIX |
Zu sehen bei: Netflix, ab 21. August
Genre: Manga/Fantasy
Länge: acht Episoden
Besetzung: mit Emily Rudd, Mackenyu, Inaki Godoy, Taz Skylar, Peter Gadiot, Jacob Gibson, Jeff Ward, Steven John Ward
Das Stream-Team meint: Kunterbunter Seefahrerspaß mit einer Bande, die dem Guten verpflichtet ist. Basiert auf dem Kultmanga von Eiichiro Oda, der sich wiederum – wer hätt's gedacht – von der Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer" inspirieren ließ.
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7. „Painkiller" über die Opioidkrise – Des einen Schmerz, des anderen Mammon
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/FYH5TASLXBEMJKQ5EK5TN74TSU.jpg) Schmerzen machen unvorstellbar reich: John Rothman als Mortimer Sackler, (mittlere Gruppe, v. l.) Matthew Broderick als Richard Sackler und Sam Anderson als Raymond Sackler in der Serie „Painkiller". © Quelle: KERI ANDERSON/NETFLIX |
Zu sehen bei: Netflix, ab 10. August
Genre: Drama
Länge: sechs Episoden
Besetzung: mit Uzo Aduba, Matthew Broderick, West Duchovny. Dina Shihabi, Taylor Kitsch, Sam Anderson, Carolina Bartczak, Jack Mulhern
Das Stream-Team meint: Richard Sackler kennt nur zwei menschliche Bewegungsformen: „Run from pain – run towards pleasure". Matthew Broderick spielt in „Painkiller" den Herrn eines Pharmazieimperiums, dessen Gier nach Geld in den USA die Opioidkrise auslöst. Das Schmerzmittel Oxycontin kostet zahllose Menschenleben, macht Hunderttausende hoffnungslos drogenabhängig. „Oxycoffins" (Oxysärge) nennt eine Figur der Serie die Pillen. Eine Serie über einen kaum vorstellbaren Massenmord am amerikanischen Volk.
„Painkiller" ist im Übrigen schon die zweite Serie über die große Volksvergiftung in den USA. In „Dopesick" wurde Richard Sackler höchst selbstmitleidig von dem großartigen Michael Stuhlbarg („Boardwalk Empire") gespielt. Mit der neuen Serie könnte Matthew „Ferris" Broderick in derselben Rolle noch mal ganz groß rauskommen.
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8. „Star Wars: Ahsoka" – Anakins Padawan bekommt endlich ihre eigene Serie
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/EBOIAFPZDVBV7I55GFYQU54F44.jpg) Neues aus der Galaxis „far, far away": Ahsoka Tano (Rosario Dawson) und Sabine Wren (Natasha Liu Bordizzo) in der „Star Wars"-Serie „Ahsoka". © Quelle: Suzanne Tenner / Lucasfilm Ltd. |
Zu sehen bei: Disney+, ab 23. August
Genre: Science-Fiction
Länge: acht Episoden
Besetzung: mit Rosario Dawson, Natasha Liu Bordizzo, Wes Chatham, Hayden Christensen, Mary Elizabeth Winstead, Lars Mikkelsen, Ray Stevenson, David Tennant, Ivanna Sakhno, Temuera Morrison
Das Stream-Team meint: Sie wuchs und wuchs – von der Nervtöterin zum Publikumsliebling vor allem der jüngeren Fans in den Animationsserien „Star Wars: The Clone Wars" (ab 2008) und „Star Wars: Rebels" (ab 2014). Und in der zweiten Staffel von „The Mandalorian" schlüpfte erstmals Rosario Dawson in die Rolle der Togruta vom Planeten Shili, des weiblichen Padawans von Anakin Skywalker. Der verehrte „Star Wars"-Macher Dave Filoni hatte die Figur damals zusammen mit George Lucas geschaffen, gedacht war sie, um den Haudrauf-Jedi Anakin in der Rolle eines Ausbilders zu mehr Verantwortung zu bewegen und seine Darth-Vader-Werdung dann nur umso schmerzlicher erscheinen zu lassen.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Filoni der aus dem Orden ausgetretenen Jedi-Ritterin eine eigene Serie verpassen würde. Nach einzelnen physischen Auftritten in „The Mandalorian" und „Das Buch von Boba Fett" ist es nun so weit. Fünf Jahre nach den Ereignissen von „Star Wars Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983) macht sich Ahsoka auf, Großadmiral Thrawn (Lars Mikkelsen), einen verschollenen Imperialen, aufzuspüren, der selbst unter den Granden der „dunklen Seite der Macht" als besonderer Finsterling gilt.
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Läuft bei uns
Was wir gesehen haben – und was wir davon halten
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Die Streamingstory
Cli-Fi boomt – dystopische Serien, in denen die Menschheit den Klimawandel meist nicht in den Griff bekommt. Manche Expertinnen und Experten glauben, dass damit ein Lehrzweck erfüllt wird. Andere Forschende fürchten indes eine Demotivierungsspirale. Motto: Dann ist ja eh alles egal.
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/FXXGFHYZQVGQVCMCWBO777MCZQ.jpg) Das ist doch der nette Jon Snow aus „Game of Thrones", der da ein Bäumchen pflanzt, oder? Aber in der Cli-Fi-Serie „Extrapolations" spielt Kit Harington einen multimilliardenschweren Pseudowohltäter, der die Menschheit für seinen Reichtum in Wahrheit immer tiefer in den Abgrund reißt. © Quelle: Apple TV+ |
Klimawandel im Kino gibt es ja schon lange: In „Der Tag, an dem die Erde Feuer fing" (1961) von Val Guest trocknete die Themse aus. Und in „Lautlos im Weltraum" ließ Douglas Trumbull 1971 die letzten Pflanzen der Erde in einer Weltraumkapsel von einem niedlichen Robotklotz wässern. Heutzutage, wo das Erdeis schmilzt, weltweit die Wälder brennen, Wasser immer knapper wird und viele Regierungen auf Erden den Eindruck erwecken, es sei in Sachen Erderwärmung doch gerade erstmal zwei vor zwölf, können solche Geschichten mehr auslösen als wohlige Schauer. Zu viele Cli-Fi-Filme und -Serien, so fürchten manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, stürzen die Zuschauenden in die Deprizone. Dann doch lieber „Star Trek: Strange New Worlds", da wird einem für Mitte des 23. Jahrhunderts der beruhigende Eindruck vermittelt, dass irgendwann zwischen heute und dereinst alles gut wird für die Menschheit.
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Der Anbieterüberblick
Das ist neu im August bei ...
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Und was passiert bei den Streamingdiensten?
Und dann auch noch KI-Fiktion? – Die Film- und Serienschaffenden in Hollywood streiken aus Angst
/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/TOJAQKYRIFHWDLG6KARVI6G26I.jpg) Die Schauspielerinnen und Schauspieler gesellten sich an die Seite der streikenden schreibenden Zunft: Der Ausstand in Hollywood richtet sich vor allem gegen die Job gefährdenden zukünftigen Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz (KI). © Quelle: IMAGO/ZUMA Wire |
Zugegeben – ziemlich viel dystopische Zukunftsmusik in dieser Ausgabe des „Stream-Team"-Newsletters. In Hollywood geht nun aber die Angst um, künstliche Intelligenz könnte irgendwann den gesamten kreativen und technischen Prozess der Serien- und Filmproduktion übernehmen. Deswegen streiken neben den Drehbuchautorinnen und -autoren nun auch die Darstellerinnen und Darsteller. Damit man es beispielsweise beim beeindruckenden Verjüngen von Harrison Ford für „Indiana Jones und das Rad des Schicksals" belässt und ihn nicht demnächst komplett digital ersetzt. Genau deshalb bricht die aktuelle Serienproduktion gerade ein. Und das müssen wir alle aushalten. Einer guten Serienzukunft zuliebe.
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