Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
wir haben uns in den vergangenen zwei Wochen irgendwie daran gewöhnt, dass hierzulande gerade eine Fußball-Europameisterschaft ausgetragen wird. Wir haben mit der deutschen Mannschaft mitgefiebert, haben stundenlang vor dem Fernseher das umfangreiche EM-Programm verfolgt, haben bewundert, wie zigtausende Holländer und Holländerinnen nach links und nach rechts hüpfen. Und wir haben uns vor allem an ganz viel tollem Fußball erfreut.
So sind mittlerweile 36 von insgesamt 51 Spielen gespielt – und dennoch beginnt das Kontinentalturnier an diesem Samstag noch einmal ganz neu. DFB-Sportdirektor Rudi Völler, selbst mit der DFB-Elf Weltmeister 1990 geworden, erklärte diese neue EM in der vergangenen Woche so: „Jetzt ist ein neuer Wettbewerb, jetzt ist K.-o.-System, Achtelfinale, jetzt zählt's. Und wir sind gewappnet."
Was Völler meint: Ab jetzt zählen nur noch Siege, wer verliert, ist raus. Die deutsche Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann sollte, um den zarten Sommermärchen-Effekt in diesem Land weiter anzuheizen, also tunlichst gegen Dänemark (21 Uhr, ZDF und MagentaTV) gewinnen.
Aber Deutschland und Dänemark bei einer EM, da war doch mal was? Vor mittlerweile 32 Jahren sprangen die nördlichen Nachbarn kurzfristig für das wegen des Balkankonfliktes disqualifizierte Jugoslawien ein, mussten dafür in Windeseile aus allen Urlaubsregionen der Welt zusammengetrommelt werden, ernährten sich dann bei der Endrunde in Schweden der Legende nach gern mal von Burgern einer großen Fast-Food-Kette und am wichtigsten: schlugen den amtierenden Weltmeister Deutschland mit 2:0 im Finale.
Rudi Völler war damals sogar noch trotz seines im ersten Vorrundenspiel gebrochenen Armes als Glücksbringer nach Göteborg zum Finale gereist. Erfolglos. Die Dänen durften den – weiterhin – größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte feiern.
 Sensationelle Europameister: Dänemark feiert in Göteborg den 2:0-Sieg über Deutschland. Quelle: WITTERS |
Bundestrainer Julian Nagelsmann wird das als Anekdote von anno dunnemals abtun, will er doch neue, erfolgreiche Geschichten in die Bücher des deutschen Fußballs schreiben. Nach den Blamagen der vergangenen Jahre sind die Grundlagen dafür immerhin von ihm gelegt. Vor allem in den ersten beiden Turnierspielen gegen Schottland (5:1) und Ungarn (2:0) zeigte die DFB-Auswahl erfrischende Leistungen, rückte damit unter die Topfavoriten auf den Titel. Das Spiel gegen Dänemark wird zeigen, ob das eher schludrige 1:1 zum Gruppenabschluss gegen die Schweiz nur ein Ausrutscher war – oder ob es mehr über die wahre deutsche Stärke aussagt als die beiden vorangegangenen Duelle.
Freuen können wir uns nach zwei langen Tagen ohne Live-Fußball auch auf die sieben übrigen Achtelfinals. Wird Spanien auch gegen Georgien so glänzen wie in der Vorrunde? Oder sorgen die Südkaukasier gegen die übermächtig erscheinenden Iberer für die nächste Sensation? Wie schlagen sich die in die Jahre gekommenen Belgier gegen bisher bestenfalls solide agierende Franzosen und deren nasenlädierten Superstar Kylian Mbappé? Welcher der beiden Geheimfavoriten Österreich und Türkei darf nach dem Duell gegeneinander weiter – ganz heimlich – im Turnier für Furore sorgen? Werden die furchtbar müde wirkenden Engländer gegen die Slowakei revitalisiert? Und und und. Da bleibt nur der Schwenk zurück zu Völler: „Jetzt ist ein neuer Wettbewerb."
Wir wünschen Ihnen einen guten Start in diesen Tag,
Ihr Sebastian Harfst
Vor dem Start der Achtelfinals lohnt sich aber ein kurzer Blick zurück auf die Gruppenphase. 15 Redakteure und Redakteurinnen des RND haben ihre Top-Elf der Vorrunde aufgestellt. Und wir dürfen feststellen: Mit einigen Spielern hätten wir vor diesem Turnier selbst nicht gerechnet.
Das gilt insbesondere für den Georgier Georges Mikautadze, der mit drei Treffern an der Spitze der Torjägertabelle steht. Der Spieler der Gruppenphase ist dennoch ein anderer: der deutsche „Zauberer" Jamal Musiala. Gleich zwölfmal entschieden sich unsere Redakteure für den 21-jährigen Shootingstar. Welche Spieler darüber hinaus überzeugen konnten – und wer es eher überraschend geschafft hat, lesen Sie hier in voller Länge.
 Das ist die Top-Elf aller 15 Redakteurinnen und Redakteure zusammengerechnet. Quelle: RND/Zerbor/Ortelt |
Die Fakten: Das Spiel gegen Dänemark steigt um 21 Uhr im Stadion in Dortmund. Jonathan Tah fehlt dem Team aufgrund seiner Gelbsperre. Ob sein Abwehrkollege Antonio Rüdiger spielen kann, blieb bis zuletzt offen – immerhin nahm der 31-Jährige am Freitag am Abschlusstraining teil.
Der Gegner: So richtig überzeugen konnte Dänemark bei dieser EM noch nicht. Mit drei Unentschieden steht das Team von Kasper Hjulmand am Ende nur als Gruppenzweiter auf dem Tableau, weil das Team eine gelbe Karte weniger kassierte als Slowenien. Reporter Patrick Strasser bewertet die Auftritte so: „Dieses Team verteidigt clever, weil kompakt und leidenschaftlich, eine wirkliche Torgefahr strahlt das Team jedoch nicht aus."
Der Schiedsrichter: Der Engländer Michael Oliver pfeift die Partie. Drei DFB-Spiele hat er bisher geleitet, die alle Unentschieden endeten – eins davon gegen Dänemark. Unser Schiedsrichter-Experte Babak Rafati meint: „Oliver ist ein sehr ruhiger Vertreter, ein angenehmer Zeitgenosse, tritt unauffällig auf." Warum die DFB-Elf von dieser Besetzung profitieren könnte, schreibt er in seinem Check.
 Michael Oliver leitet das deutsche EM-Spiel gegen Dänemark. Quelle: IMAGO/Sven Simon |
Die Fans: Knapp 350 Personen beteiligten sich am Fanmarsch der inoffiziellen Fanklubs vor der Partie gegen die Schweiz. Da geht noch was! Das denkt sich wohl auch der DFB und organisiert einen etwa drei Kilometer langen Fanmarsch, der um 17 Uhr starten soll. Deutschland-Fahnen gibt es, solange der Vorrat reicht.
Die Expertin: Ex-Nationaltorhüterin Almuth Schult blickt in ihrer Kolumne auf die Personalsituation von Nagelsmann. Klar ist bereits: Nico Schlotterbeck startet für Tah und damit steht erstmals bei dieser EM eine andere DFB-Startelf auf dem Platz. Schult sieht darin aber kein Problem. „Dass alle nominierten Spieler sogar in der Lage sind, eine Partie entscheidend zu beeinflussen, hat das letzte Gruppenspiel gegen die Schweiz eindrucksvoll gezeigt", schreibt die 33-Jährige.
 Torhüterin Almuth Schult ist als Expertin für das RND und die ARD im Einsatz. Quelle: Imago |
Das Wetter: Auf das Sommerwetter in vielen Teilen Deutschlands folgen in vielen Regionen heftige Gewitter. Wie wird das Wetter in Dortmund – und wo liegen die Unwetterschwerpunkte? Ob das Public Viewing bei Ihnen bedroht ist, erklärt mein Kollege Nico Schwieger.
Die Geschichte: Vom Klubfußball hat Toni Kroos sich bereits verabschiedet und nun naht auch das Karriereende des 34-Jährigen. Denn: Mit dem Start der K.o.-Phase könnte jedes Spiel sein Letztes sein – ohne dass er es vorher weiß. Was er dazu sagt und wessen Zeit im DFB-Dress sich ebenfalls dem Ende zuneigt.
Der Liveticker: Wie in der Gruppenphase bieten wir Ihnen heute wieder einen Liveticker an, in dem Sie die Partie parallel zur TV-Übertragung verfolgen können. Mit wissenswerten und kuriosen Statistiken und Fakten wollen wir Sie informieren – ob beim Fußballgucken auf dem Sofa oder beim Public Viewing. Ab 20 Uhr geht's richtig los.
Das Orakel: Jetzt ist es passiert – das Orakel Tapir Theo aus dem Zoo Münster hat erstmals bei diesem Turnier auf einen Sieg für Deutschland getippt. Nach Angaben des Zoos sei das Tieflandtapir äußerst zielstrebig auf den schwarz-rot-goldenen Futterball zugegangen und habe angefangen zu fressen. Die dänische Futter-Konkurrenz habe er keines Blickes gewürdigt. Ob das ein gutes Omen ist?
 Tapir Theo tippt im Allwetterzoo in Münster auf Deutschland als Gewinner für das EM-Achtelfinale. Quelle: Benjamin Westhoff/dpa |
Wer spielt eigentlich wann? Wo kann ich die Spiele verfolgen, wenn ich im Urlaub bin? Und wie organisiere ich eine erfolgreiche Public-Viewing-Party? Keine Sorge, wir bieten Ihnen Orientierung in diesen Fragen.
- Alle Partien der Fußball-EM sind im Fernsehen zu sehen, aber nur 46 sind frei empfangbar. Jeweils 17 Partien übertragen ARD und ZDF. Bei den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern werden die wichtigsten Partien des Turniers gezeigt. Diesen Text können Sie sich abspeichern: Hier sehen Sie, wo die Spiele jeweils gezeigt werden.
- Die Fußball-EM bringt zahlreiche Menschen zusammen – im Stadion, in den Kneipen oder beim Public Viewing. Da kann es immer wieder zu Unfällen und Notfällen kommen. Wir erklären, was Sie in verschiedenen Notsituationen tun müssen.
- Wenn das EM-Fieber bei Ihnen jetzt erst so richtig losgeht, ist es noch nicht zu spät eine gute Party auszurichten. Damit diese allen Gästen in Erinnerung bleibt, haben wir die besten Tipps zu den Themen Deko, Musik und Spiele zusammengestellt.
Oliver Bierhoff im Interview: Einst erzielte er das erste Golden Goal der Geschichte, dann reformierte er den DFB und legte den Grundstein für den Weltmeister-Titel 2014. Wie Bierhoff auf die Chancen der DFB-Elf schaut – und was er zur Kritik an der sündhaften teuren DFB-Akademie sagt, hat er Reporter Thomas Gassmann erzählt.
Eine Liebeserklärung an die Schotten: In der K.o.-Phase steht Schottland nicht, aber die „Tartan Army" hat sich bei dieser EM in die Herzen der Deutschen gesungen. Was macht das Volk aus? Und woher kommt diese neue Liebe? Mein Kollege Michael Pohl kann das erklären.
Undav sorgt für große Freude: Sechs Minuten spielte der VfB-Stuttgart-Stürmer Deniz Undav bisher erst bei dieser EM. Doch mit seiner Einwechslung in der zweiten Partie gegen Ungarn löste er bei einer Community besonders große Begeisterung aus. Denn Undav ist der erste Nationalspieler mit êzîdischen Wurzeln. Unsere Partner von der „Celleschen Zeitung" haben sich in der Stadt umgehört, in der 10.000 Êzîden leben.
Für weitere Hintergründe, Berichte und Tipps möchten wir Ihnen außerdem unsere Themenseite ans Herz legen. Dort finden Sie alles rund um die EM.
Europa-Radar: Was in Brüssel passiert und Europa bewegt: Unser RND-Korrespondent liefert EU-Insights und Hintergründe – immer donnerstags.
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