Liebe Leserinnen und Leser, |
wann haben Sie das letzte Mal so richtig gut geschlafen? Ich hoffe, es war vergangene Nacht – und auch die allermeisten Nächte davor. Ich hoffe, dass Sie sich wenigstens an Ihre jüngste gute Nacht erinnern können. Denn das ist für viele gar nicht so selbstverständlich: Ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland zählt zu den fragilen Schläferinnen und Schläfern – ihre Nächte sind also mal besser, mal schlechter. Und zwischen 6 und 10 Prozent der Menschen leiden gar an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung: Insomnie. Betroffene haben Probleme beim Ein- und Durchschlafen. |
Schlafstörungen können mehrere Ursachen haben. Sie sind zum Beispiel ein Symptom von 80 Prozent aller psychischen Erkrankungen – beispielsweise von Depression, Angststörungen oder bipolaren Störungen. Schlafmedizinerin Kneginja Richter erklärte mir neulich (+), dass Betroffene einen Teufelskreis erleben: Psychische Belastungen können ihnen den Schlaf rauben, und der wenige Schlaf erhöht wiederum das Risiko für belastende Gedanken. „Bei der Behandlung von Erkrankungen wie Depressionen ist es deshalb wichtig, beides zu behandeln: die Depression und die Schlafstörung", sagte sie mir. |
Schlafprobleme sind in jedem Fall ein ernstzunehmendes Warnsignal. Bei manchen deuten sie auf Krankheiten hin, bei anderen auf Probleme im Leben. Die Krankenschwester und Autorin Franziska Böhler erinnerte sich noch gut an Zeiten, an denen ihr beruflich alles zu viel wurde: ihr stressiger Job und ihre Mission, das Gesundheitssystem in Deutschland zu verändern. „Da ging es mir wirklich richtig schlecht. Ich konnte nicht mehr arbeiten, nicht mehr schlafen, nicht mehr aufstehen. Meine Ressourcen waren völlig aufgebraucht", sagte sie meiner Kollegin Saskia Heinze im Interview (+). |
Es wäre nun viel zu einfach zu behaupten: Man muss einfach die Ursachen der Erschöpfung und Schlaflosigkeit bekämpfen. Auch Böhler erkannte, dass sie als einzelner Mensch nicht die Missstände in der Pflege und im gesamten Gesundheitssystem bekämpfen kann. Das war für sie sogar die wichtigste Erkenntnis, um aus der Erschöpfung herauszukommen. Und für Menschen mit Depression und Schlafstörung hat Schlafmedizinerin Richter eine gute Nachricht parat: „Eine Insomnie lässt sich inzwischen gut und unabhängig von der Depression psychotherapeutisch behandeln." |
Positive Veränderungen im Leben können uns also dabei unterstützen, nachts wieder gut in den Schlaf zu finden. Übrigens können sie uns auch beim aktuellen Wetterwechsel helfen – und den Herbst versüßen. Mehr dazu lesen Sie in der Rubrik „Die schönen Seiten des Lebens". |
 Ausdauersport ist gesund – aber ein Marathon bringt den Körper oft an seine Grenzen. Quelle: Imago |
42,195 Kilometer laufen. Wer hat sich das nur ausgedacht? Das ist eine andere Frage. Meine Kollegin Ina Johannsen kann Ihnen dafür sagen, was Menschen überhaupt motiviert, diese Strecke in einem Marathon zu bewältigen. „Zum einen gibt es das Leistungsmotiv. Einen Marathon zu absolvieren ist eine sportliche Leistung. Leistungsmotivierte Menschen nehmen sich solche Ziele gerne vor", sagte ihr Sportpsychologe Oliver Stoll. |
Im Gespräch klärte er ebenfalls die Frage, ob diese Strecke überhaupt gut und sicher für den Körper ist. Ausdauersport sei grundsätzlich gesund. „Wenn man sich auf den Wettbewerb vernünftig vorbereitet und es nicht übertreibt, weder im Training noch später im Wettkampflauf, ist es auch zumindest nicht schädlich", sagte er. Aber ob der Marathon damit auch wirklich gesund ist? Darüber sind sich Fachleute uneinig. |
 Eine Frau riecht in einem Supermarkt an einer Ananas. Ist es für sie ein normaler Einkauf – oder Teil eines Datingtrends? Quelle: picture-alliance / BSIP/JOLYOT |
Von wem würden sie sich am ehesten bei der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner helfen lassen: einer Flirtexpertin, Dating-App – oder einer Ananas? Kein Scherz: Statt Tinder nutzen immer mehr Singles in Spanien einen Supermarktbesuch als Gelegenheit, einen neuen Partner kennenzulernen, wie meine Kollegin Lucie Wittenberg berichtet. |
Wer als Single in einem Mercadona-Supermarkt die Frucht kopfüber in einem Einkaufswagen spazieren fährt und in der Weinabteilung mit einer anderen Person zusammenstößt, solle so seine Datingbereitschaft signalisieren. Eine ungewöhnliche Idee, die auch in diesem Fall dem Internet zu verdanken ist – und einer spanischen Komikerin. |
 In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Anteil stark übergewichtiger Kinder und Jugendlicher weltweit vervierfacht. Kann eine Spritze die Lösung sein? Quelle: RND-Montage, Fotos: IMAGO/Pond5 Images |
Ein Jahr lang wurde das Abnehmmittel Liraglutid an adipösen Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren getestet. Die Ergebnisse wirken vielversprechend: Der durchschnittliche BMI – also die Größe im Verhältnis zum Körpergewicht – sank bei Kindern, die das Mittel bekamen, in einer Studie um 5,8 Prozent. Ist das Mittel also die Lösung gegen die wachsende Zahl übergewichtiger Kinder? Dieser Frage ist meine Kollegin Kira von der Brelie nachgegangen (+). |
Sie sprach unter anderem mit der Kinderärztin Susann Weihrauch-Blüher, die auch Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft „Adipositas im Kindesalter" der Deutschen Adipositas-Gesellschaft ist. Die Studienergebnisse seien sehr wichtig – jedoch warnt sie vor zu viel Optimismus. Die untersuchte Gruppe sei sehr klein, die Nebenwirkungen zu häufig, und es blieben zu viele Fragen offen. „Wir wissen noch nicht, welche Langzeitwirkungen das Mittel auf einen Organismus hat, der noch im Wachstum ist. Wir wissen nicht, wie es sich auf den Vitamin- und Mikronährstoffhaushalt auswirkt, wenn das Hungergefühl gebremst wird", sagte sie. |
| | | | Früher habe ich mir immer vorgestellt, dass vielleicht eines Tages jeder ein bisschen RNA im Kühlschrank liegen hat. | | Katalin Karikó, | | Nobelpreisträgerin | | |
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Die Biochemikerin Katalin Karikó legte den Grundstein für die mRNA-Impfstoffe, die der Welt aus der Corona-Pandemie halfen. Trotzdem zweifelten viele Menschen die mRNA-Impfstoffe an und wussten nicht, dass die Technologie bereits in weit fortgeschrittenen Studien erprobt war. Im Interview mit meiner Kollegin Saskia Heinze sagt Karikó (+), warum sie die Ängste verstehen konnte – und erklärt, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besser hätten kommunizieren müssen. |
 Vom Unsagbaren zum Sagbaren: Damit Frauen über sexualisierte Gewalt sprechen können, muss sich vieles in Gesellschaft und Justiz ändern. Quelle: IMAGO/Depositphotos |
Nur 10 Prozent der Frauen, die vergewaltigt werden, zeigen die Straftat an. Auch Unternehmensberaterin Jana Baumann gehört zu den Betroffenen, die keine Anzeige gegen den Täter erstattet hat. Sie wurde nach einem gemeinsamen Workshop von einer Führungskraft vergewaltigt. Meine Kollegin Caro Burchardt sprach mit ihr über ihr Trauma (+). „Meine Herausforderung war, sprechen zu wollen und gleichzeitig zu merken, wie schwer das ist, diesen einen Satz ‚Ich bin vergewaltigt worden' auszusprechen", sagte Baumann. |
Mit ihrem Buch „Unsagbar" möchte Baumann dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft mehr über dieses Thema wissen und sprechen. „Das ist mit das Wichtigste, dass Frauen das Gefühl haben, sie können sich anvertrauen und zumuten mit dem, was ihnen widerfahren ist", betont sie. Doch dafür müssten auch viel mehr Gelder in die Justizentwicklung und -verbesserung fließen. Denn oft komme es selbst bei einer Anzeige nicht zu einem Prozess. Die Defizite in der Justiz erlebte Baumann auch bei ihrer juristischen Beratung. „Da wurde es schnell sehr faktisch. Fakten sind in diesem Bereich aber sehr schwierig, Beweise zu erbringen noch viel schwieriger", sagte sie. |
 Herbst: Manche lieben ihn und manche hassen ihn. Dabei kann man es sich zu dieser Jahreszeit so richtig schön gemütlich machen. Quelle: IMAGO/Zoonar |
Der Sommer ist vorbei – und vielen Menschen fällt es schwer, sich von ihm zu verabschieden. Oder doch nicht? Soziale Medien wie Tiktok oder Instagram sind aktuell geflutet von ästhetischen Videos, mit denen die User die rotgoldenen Blätter, die schweren Regenwolken und die kuscheligen Wollpullover herbeisehnen. Etliche Userinnen und User strahlen damit ihre Vorfreude auf den Herbst aus, wie meine Kollegin Celina Kintopp berichtet. |
Dabei wird die Jahreszeit doch eigentlich so oft mit einem Herbstblues verknüpft. Woher kommt also der Hype um den Herbst? Die Psychologin Pia Lena Gran erklärte Kintopp, dass der vorfreudige Blick auf Rituale und anstehende Feste einen positiven Effekt auf Menschen habe. Kürbisse schnitzen, Suppe kochen, das Gruseln feiern: Der Herbst hat eben auch einige schöne Traditionen in petto. Rituale helfen auch denjenigen, die sich mit dem Wetterwechsel und Herbstblues schwertun. „Planen Sie angenehme Aktivitäten, und schaffen Sie bewusst positive Erlebnisse", rät Psychologin Gran. |
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