«Sommer, Sonne, Remigration» – Der Journalist als Neonazi

 Wie eine Recherche die rechtsextreme Szene erschütterte.
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Undercover bei den Neonazis

Propaganda der Jungnationalen Winterthur: Am 10. November 1988 veröffentlichten die Journalisten Kaspar und Markus Koch in der «Winterthurer AZ» ihre waghalsige Recherche über das Innenleben der lokalen Rechtsextremen und Neonazis. Markus Koch hatte sich dafür monatelang als Sympathisant in die Szene eingeschlichen. © Stadtarchiv Winterthur

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

vor einer Woche begann unsere Serie «Sommer, Sonne, Remigration» mit einer Handgranate, die in der Nacht auf den 3. Oktober 1990 durch das Fenster eines Winterthurer Wohnhauses flog. 

Heute geht es darum, was in den Jahren davor passiert war und wie sich der Journalist, dem der Anschlag galt, ein halbes Jahr lang als Neonazi ausgegeben hatte.

Markus Koch, Redaktor der «Winterthurer AZ», hatte sich 1988 in die Jungnationalen Winterthurer eingeschlichen, nahm an ihren Kameradschaftsabenden teil und galt bald als einer von ihnen. Als der Gruppenleiter Sepp Müller (Name geändert) an einem konspirativen Treffen der «Nationalen Koordination» verhindert war, schickte er ausgerechnet Koch als seinen Stellvertreter.

Und der Stellvertreter, der eigentlich Journalist war, schrieb alles auf.

Kapitel 1, Teil 2 von 3 – «Sommer, Sonne, Remigration» ~10 Minuten

Ein Mann schleicht sich in die rechtsextreme Szene ein, und was er dort beobachtet, bringt die «Nationale Aktion» ins Wanken – ein Sittenbild einer rechtsextremen Szene, die Ende der Achtzigerjahre in Winterthur und Schaffhausen längst organisiert und vernetzt war, während die Behörden noch von Einzelgängern und einem Randphänomen sprachen.

Auf die Recherchen von Markus Koch folgten Recherchen von Jürg Frischknecht. Der WoZ-Mitgründer veröffentlichte die Namen der Teilnehmer eines konspirativen Treffens und machte sichtbar, wie eng die «Nationale Aktion», die nach aussen jede Verbindung zu Neonazis bestritt, hinter verschlossenen Türen mit genau diesen Kreisen verbunden war.

Unter den Namen stand auch jener eines achtzehnjährigen Mittelschülers aus Neuhausen: Erich Winkler (Name geändert).

Zwei Jahre später sollte Winkler beim Handgranatenanschlag auf den Journalisten Koch Schmiere stehen.

Lesen Sie jetzt Teil 2 unserer Serie: «Der Neonazi, der eigentlich Journalist war»

Teil 3 folgt nächsten Freitag. Darin geht es um den Prozess gegen die Attentäter und um die Frage, über die das Gericht ausdrücklich nicht urteilen wollte: Darf sich ein Journalist als Neonazi ausgeben?

Bis dahin,
Daniel Ryser, Reporter, Infosperber

Infosperber / SSUI

Jurablickstrasse 69, Spiegel b. Bern

Schweiz

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