«Sommer, Sonne, Remigration» – Der Grosse Austausch

 Mit Bertolt Brecht gegen Migration und linke Politik.
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Der Mann hinter dem
Grossen Austausch

Renaud Camus bei einer Demonstration 2016. Seine Theorie vom Grossen Austausch sollte weit über Frankreich hinaus Karriere machen. © EPA/Guillaume Horcajuelo

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Renaud Camus beginnt sein rechtsextremes Pamphlet «Der Grosse Austausch» mit Bertolt Brecht.

Im französischen Original beruft er sich auf Frantz Fanon, den antikolonialen Denker, der im Algerienkrieg aufseiten der Algerier stand. Und als Beleg dafür, dass in Frankreich die Bevölkerung ausgetauscht werde, führt Camus in einer Fussnote Michel Houellebecqs Roman «Unterwerfung» an.

Brecht. Fanon. Houellebecq.

Es ist eine eigentümliche Gesellschaft für einen Mann, der zu einem der wichtigsten Stichwortgeber der internationalen Neuen Rechten werden sollte.

Camus war ursprünglich ein Kind der Pariser Avantgarde, verkehrte in der Bohème der Siebzigerjahre, wurde von Roland Barthes protegiert und bewegte sich in den Kreisen von Andy Warhol und Marguerite Duras. Später erklärte er das Gefühl, sein Frankreich nicht mehr wiederzuerkennen, zu einer politischen Theorie.

Er nannte sie den Grossen Austausch.

Kapitel 2 «Die Ideologen», Teil 2 – «Sommer, Sonne, Remigration» · ~13 Minuten

Camus beschreibt Einwanderung nicht als gesellschaftlichen oder demographischen Prozess, sondern als Verdrängung, Kolonisierung und schliesslich als Krieg. Migranten werden bei ihm zu «Soldaten», Kinder zu «Vektoren der ethnischen Substitution».

Und irgendwann beginnt dieser Text zu reisen.

2017 skandierten Rechtsextreme in Charlottesville «You will not replace us» und «Jews will not replace us». Camus veröffentlichte daraufhin eine englische Übersetzung seines Buches unter dem Titel «You Will Not Replace Us». Zwei Jahre später ermordete ein Rechtsextremist in Christchurch 51 Menschen. Sein Manifest trug den Titel «Der Grosse Austausch». Weitere Attentäter griffen dieselbe Erzählung auf.

Im ersten Teil unseres Kapitels «Die Ideologen» haben wir untersucht, was Martin Sellner unter Remigration versteht. Im zweiten gehen wir einen Schritt zurück und fragen, woher eine der zentralen Bedrohungserzählungen stammt, auf der dieses politische Programm aufbaut.

Lesen Sie jetzt den fünften Teil unserer Serie: Aussichten auf den Bürgerkrieg

Gute Lektüre,
Daniel Ryser, Reporter, Infosperber

Infosperber / SSUI

Jurablickstrasse 69, Spiegel b. Bern

Schweiz

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