«Sommer, Sonne, Remigration» – Die neuen Fröntler greifen an

 Die Jagd auf Tamilen und die Reaktion der Behörden.
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Politik als Volksfest

«Pfui» riefen die Leser, 20 000 Franken überwies ein Zürcher Millionär, und die Auflage stimmte: Marcel Strebel 1989 im «Blick». © Sozialarchiv

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

am 20. Mai 1989 lud die Patriotische Front zum «Frühlingsfest» nach Rotkreuz. Motto: «Politik als Volksfest». Getränke und Verpflegung gab es zu günstigen Preisen.

Rund sechzig Rechtsextreme kamen. Marcel Strebel hielt eine Rede. Würde er in der Schweiz die Macht übernehmen, sagte er, würde er alle Ausländer innert 24 Stunden des Landes verweisen.

Das Fest war früh vorbei. Dann zog ein Teil der Männer nach Zug und jagte Tamilen durch die Stadt. Zwei von ihnen mussten ins Spital. Die Polizei verhaftete niemanden.

Drei Monate später sass Strebel im Schweizer Fernsehen.

In der vergangenen Woche haben wir erzählt, wie Männer des Schweizer Ku-Klux-Klans gemeinsam mit Strebel die Patriotische Front gründeten. Im zweiten Teil geht es darum, was geschah, als das Programm auf die Strasse kam, und wie Fernsehen, Polizei und Justiz darauf reagierten.

Kapitel 3, Teil 2 von 3 – «Sommer, Sonne, Remigration» ~11 Minuten

Auf dem Weg zur Aufzeichnung des «Zischtigs-Club» spuckte Strebel am 22. August 1989 in der Eingangshalle des Fernsehens einem schwarzen Mannequin ins Gesicht. Dann wurde er ins Studio geführt und durfte mitdiskutieren. Die Sendung hatte die zweithöchste Einschaltquote des Jahres.

Kurz vor der Sendung schickte er der Redaktion eine Rechnung über 87 Franken für Werbeartikel der Patriotischen Front. Darunter stand: «Wer uns zerstören will, den zerstören wir.»

Im November überfielen rund dreissig Anhänger und Mitglieder der Patriotischen Front das Durchgangsheim für Asylbewerber in Steinhausen, obwohl Strebel die Polizei vorab informiert hatte. Danach zog die Polizei Stacheldraht um die Unterkünfte. Eingezäunt wurden die Opfer. Und der zuständige Verhörrichter nahm knapp zwei Jahre lang keine einzige Untersuchungshandlung vor. 

Unsere Recherche stützt sich auf Akten des Verhöramts Zug, auf Briefe, Flugblätter und Zeitungsberichte aus dem Archiv des Journalisten Jürg Frischknecht.

Lesen Sie jetzt: Erst die Jagd, dann die Bühne

Gute Lektüre

Daniel Ryser, Reporter, Infosperber

Infosperber / SSUI

Jurablickstrasse 69, Spiegel b. Bern

Schweiz

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