«Sommer, Sonne, Remigration»: «Es wird keine Versöhnung geben»

 Nach einem Konzert in Tuggen ist ein 27-Jähriger tot. Und heute eröffnet das Bezirksgericht Zürich sein Urteil gegen die Junge Tat.
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«War eine fette Party gestern»

Fast alle blicken in die Ferne, wo vermutlich die Heimat wartet, oder zumindest der Fotograf: Montage der Jungen Tat auf ihrer Homepage. © Screenshot YouTube/Manuel Corchia

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier kommt die nächste Folge von «Sommer, Sonne, Remigration».

Heute eröffnet das Bezirksgericht Zürich sein Urteil gegen Manuel Corchia, Tobias Lingg und vier weitere Mitglieder der Jungen Tat. Ein Holzkreuz mit der Aufschrift «No Pride Month», mitten in einen Pride-Gottesdienst getragen. Eine Dragqueen-Lesung für Kinder, gestört. Für Corchia und Lingg fordert die Staatsanwaltschaft je 15 Monate, sechs davon unbedingt.

Corchia ist 24, mehrfach vorbestraft, und er zitiert Marcuse. Der zweite Teil unseres Gesprächs erscheint heute, den ersten gab es vergangene Woche.

Dazwischen, am Dienstag, habe ich über eine andere extreme Rechte geschrieben. In Tuggen im Kanton Schwyz stirbt nach einem Konzert ein 27-Jähriger, mutmasslich totgeschlagen von einem 42-jährigen Neonazi von Blood & Honour. Ein Kamerad soll dem Lokal am nächsten Tag fünf Sterne auf Google gegeben haben, so berichtet es der «Sonntagsblick»: «War eine fette Party gestern.» Bestätigt sich der Verdacht, wäre es das erste öffentlich bekannte Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Schweiz seit 2001, als Neonazis in Unterseen einen 19-jährigen Kameraden erschlugen. Der Text gehört zu dieser Serie, auch wenn er in keinem Kapitel steht: «Tod in Tuggen».

In Tuggen hat sich die brachiale Welt der Naziskins zurückgemeldet, wie man sie aus den Achtziger- und Neunzigerjahren kennt, die Welt von Blood & Honour und den Hammerskins. Als ich Manuel Corchia im Gespräch nach Pascal L. fragte, einem der gewalttätigsten Neonazis der Neunziger, kannte er den Namen nicht. Seine Szene kämpft mit anderen Mitteln, aber ums Gleiche: Wer gehört dazu in der Schweiz, wer nicht? Davon handelt der heutige Teil unserer Serie.

Kapitel 4, Teil 3 von 3 – «Sommer, Sonne, Remigration» ~11 Minuten

Wie viele Menschen die Schweiz verlassen müssten, will Corchia nicht sagen. «Illegale und Kriminelle werden ausgeschafft», das sei selbstverständlich. Dann redet er über Dönerläden, Haarsalons und Sonnenstudios, deren Betreiber längst Schweizer Pässe haben, und über Eingebürgerte der dritten Generation. Was mit denen passieren soll, lässt er offen.

Sellner hat Ende August für Sachsen-Anhalt vorgelegt, wie es aussehen könnte: ein «Remigrationsmusterland», aus dem auch Staatsbürger gehen sollen, weil man ihnen das Leben dort so ungemütlich macht, dass sie es von selbst tun.

Und nach zwei Stunden Diskurs, zwischen Genen, Steppenreitern und Süditalienern, bei denen Europa «zu fransen» beginnt, sagt Corchia den Satz, den er die ganze Zeit umkreist hat: «Es wird keine Versöhnung geben».

Bis nächsten Freitag
Daniel Ryser, Reporter, Infosperber


Infosperber / SSUI

Jurablickstrasse 69, Spiegel b. Bern

Schweiz

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