Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, hier kommt die nächste Folge von «Sommer, Sonne, Remigration». Heute eröffnet das Bezirksgericht Zürich sein Urteil gegen Manuel Corchia, Tobias Lingg und vier weitere Mitglieder der Jungen Tat. Ein Holzkreuz mit der Aufschrift «No Pride Month», mitten in einen Pride-Gottesdienst getragen. Eine Dragqueen-Lesung für Kinder, gestört. Für Corchia und Lingg fordert die Staatsanwaltschaft je 15 Monate, sechs davon unbedingt. Corchia ist 24, mehrfach vorbestraft, und er zitiert Marcuse. Der zweite Teil unseres Gesprächs erscheint heute, den ersten gab es vergangene Woche. Dazwischen, am Dienstag, habe ich über eine andere extreme Rechte geschrieben. In Tuggen im Kanton Schwyz stirbt nach einem Konzert ein 27-Jähriger, mutmasslich totgeschlagen von einem 42-jährigen Neonazi von Blood & Honour. Ein Kamerad soll dem Lokal am nächsten Tag fünf Sterne auf Google gegeben haben, so berichtet es der «Sonntagsblick»: «War eine fette Party gestern.» Bestätigt sich der Verdacht, wäre es das erste öffentlich bekannte Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Schweiz seit 2001, als Neonazis in Unterseen einen 19-jährigen Kameraden erschlugen. Der Text gehört zu dieser Serie, auch wenn er in keinem Kapitel steht: «Tod in Tuggen». In Tuggen hat sich die brachiale Welt der Naziskins zurückgemeldet, wie man sie aus den Achtziger- und Neunzigerjahren kennt, die Welt von Blood & Honour und den Hammerskins. Als ich Manuel Corchia im Gespräch nach Pascal L. fragte, einem der gewalttätigsten Neonazis der Neunziger, kannte er den Namen nicht. Seine Szene kämpft mit anderen Mitteln, aber ums Gleiche: Wer gehört dazu in der Schweiz, wer nicht? Davon handelt der heutige Teil unserer Serie. |
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